Biotop
schutz

 

Maßnahmen zum Erhalt von Söllen

Sölle (Einzahl: Soll) hat wohl jeder schon einmal gesehen, der durch Mecklenburg-Vorpommern reist. Sölle sind runde Kleinstgewässer in Senken oder Mergelgruben, häufig baumbewachsen inmitten von Ackerland. Sie sind als typische Erscheinung von Grundmoränenlandschaften vor über 8000 Jahren am Ende der Weichsel- oder Würmeiszeit entstanden. Geologen vermuten, dass größere Teile des Gletschereises als sogenanntes Toteis in Geschiebemergel regelrecht eingebacken und unter die Erdoberfläche gedrückt wurde. Nach der Eisschmelze blieb nach dieser Theorie ein Hohlraum, der durch Einbrechen zu einer Grube, dem Soll wurde, in dem sich dann Wasser ansammelt. Sölle weisen in der Regel weder eine direkte Verbindung zum Grundwasser auf, noch haben sie einen Zu- oder Abfluß. Zeitweises Trockenfallen, besonders im Sommer, kommt häufig vor.

Sölle waren früher so häufig, dass man sie die „Augen Mecklenburgs“ nannte. Heute gehören sie zu den gefährdeten Biotopen mit der höchsten Arten- und Strukturvielfalt. Viele Pflanzen- und Tierarten der Roten Listen sind hier zuhause.


Soll
Bild: Arndt Müller

Nicht zuletzt deswegen wurden Sölle 1992 in Mecklenburg-Vorpommern unter gesetzlichen Schutz gestellt. Damit verbunden war damals das Verbot, in einem Umkreis von 7 Metern um die Sölle Pflanzenschutzmittel und Dünger einzusetzen. Heute sieht die Bestimmung nur noch eine 3 Meter breite Schutzzone vor, obwohl wissenschaftliche Studien schon lange und wohlbegründet mindestens 10 Meter als notwendig ansehen (Auerswald et al. 1992; Haacke, 1999).  Alleine schon durch die geringe Filterkapazität kleinerer Schutzzonen ist es bei vielen Söllen mittlerweile zum erhöhten Eintrag von Dünger und Pflanzenschutzmitteln gekommen. In Folge sind viele Sölle „umgekippt“, die Biotope sterben.

 
Belastete Sölle

Zusammen mit Landwirten, StAUN Rostock und Experten des BUND Rostock hat die Ortsgruppe Salzhaff-Rerik 2009 begonnen, Wege aus dem gegenwärtigen Dilemma zu finden. Vorschläge für praxisorientierte Lösungsvorschläge werden zur Zeit erarbeitet und sollen dann dem Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt unterbreitet werden.

Soll am ehemaligen Agrarflugplatz Zweedorf. Große Mengen Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und wie hier: „verklappte“ Ernteabfälle führen zur Eutrophierung des Gewässers. Durch Sauerstoffmangel vermehren sich verstärkt anaerobe Bakterien die in Folge giftige Gase freisetzen – das Biotop stirbt.

Feldhecken – Wichtige Rückzugsareale in einer Kulturlandschaft

Die Ortsgruppe Salzhaff-Rerik des BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland macht sich dafür stark, wichtige Feldhecken zu erhalten bzw. durch Baum- und Buschpflanzungen wiederherzustellen.

Wer hierin nur ein zweifelsfrei sinnvolles Naturschutzprojekt  und ein gänzlich unpolitisches Unterfangen sah, mußte sich eines besseren belehren lassen. So wurde ein Antrag auf Pflanzung bzw. Ergänzung eines Feldhecke auf einem Privatgrundstück sogar „von Amts wegen untersagt“ (Fr. Mazewitsch, Amt Salzhaff-Neubukow) oder es wurde gleich mit strafrechtlichen Konsequenzen im Falle einer Pflanzung gedroht (Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung M-V, Schwerin).

Der letztgenannte Vorgang bezog sich auf eine Hecke hinter dem Westende der Startbahn des ehemaligen Agrarflugplatzes Zweedorf. Im Jahre 2004 war dort ohne Rücksprache mit Naturschutzbehörden durch Sympathisanten des Flugplatzes Zweedorf eine Feldhecke gerodet und eingeebnet worden, darunter auch Eichen, auf denen alleine bis zu 300 Insektenarten leben können. Dadurch wurde ein Biotop zerstört und  Landschaftselemente, d.h. v.a. die Wälder nördlich und südlich der Hecke voneinander getrennt. Nach Augenzeugenberichten war vorher zwecks Verlängerung der Startbahn vom damaligen Flugplatzbetreiber ein Soll drainiert und verfüllt worden, ebenfalls ohne Rücksprache mit Naturschutzbehörden.

Merke: ein Flugplatz stört die Natur nicht nur durch großflächig wahrgenommenen Lärm und optische Erscheinungen im Zusammenhang mit der Flugtätigkeit, sondern auch durch begleitende Eingriffe in die Natur.