· Der Lebensraum Salzhaff

Die Entstehung des Salzhaffs: Einflüsse von Eiszeit und Mensch

Die Region des Salzhaffs ist Bestandteil der Wismarbucht und im Anschluss an die letzte Eiszeit entstanden. Zu Anfang des Präboreals (ca. 9. Jts. v.u.Z.) hatte das milder werdende Klima den Eisrand bis Mittelschweden zurückgedrängt. Im Zuge der Ausbildung eines Sperrgürtels durch Landhebungen im Süden und Südosten Dänemarks und im Bereich Schleswig-Holsteins bildete sich südlich des Eises der sog. Baltische Eissee. Kurz nach 8000 v.u.Z. durchstieß laut schwedischer Warvenforschung der Wasserdruck den schwächsten Punkt des Sperrgürtels in Västergötland und ein Brackwassermeer, das sog. Yoldia-Meer entstand wobei vermutlich Teile des ehemaligen Eissees trocken fielen und bewaldeten. V.a. durch Landhebungen in Mittelschweden Anfang bis Mitte des 7. Jts. v.u.Z. schloß sich der schwedische Sund zusehens und ein Binnenmeer (Ancylussee) entstand. Dieses dehnte sich nach Landhebungen in Nordskandinavien nach Westen aus, eine Verbindung zum Kattegat entstand durch den dänischen Sund.

Die Ostsee im Wandel der Zeit:

(ca. 15.000 v.Chr.)

(ca. 10.000 v.Chr.)

(ca. 8.000 v.Chr.)

(ca. 7.000 v.Chr.)

Aus der Broschüre: Mit Kindern DIE OSTSEE entdecken

Während der folgenden vier Phasen des Meeresanstiegs (Anfang 6. Jts.  bis Ende 1. Jts. v.u.Z.), der sog. Litorinatransgressionen, entstanden die dänischen Sunde und ebenso die Insel Rügen. Überflutete ehemalige Gletscherzungenbecken im Bereich des heutigen Salzhaffs wurden durch Sedimentanlagerungen als Folge entlang der Küste verlaufender Meeresströmungen abgeschnitten. Bei Rerik verbanden Sedimentanlagerungen das Festland mit der Grundmoränenplatte,  im Bereich der jetzigen Halbinsel Wustrow. Das Salzhaff mit seiner südwestlichen Öffnung zur heutigen Ostsee entstand. Typisch für die Vegetation der Region waren bis in slawische Zeit hinein große bewaldete Flächen. Mit Beginn des Mittelalters setzten größere Rodungen ein. In der Folge veränderte v.a. der vermehrte Ackerbau das Gesicht des Landstrichs, aber auch die Aufforstung mit Nadelhölzern seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts muß als einschneidende Umweltveränderung begriffen werden. V.a. seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurden große, landwirtschaftlich genutzte Flächen drainiert, Bachläufe begradigt oder/und verrohrt und Feldhecken vernichtet. Im Bereich des Salzhaffs wurden Ende der 70er Jahre dann vermehrt Salzwiesen mit dem Ziele einer verstärkten Bewirtschaftung eingepoldert. Im Hinterland kam es etwa zeitgleich zu immer größerflächigen Kahlschlägen im Bereich vieler Wälder. In jüngerer Zeit konnte man auch im Bereich des Salzhaffs infolge des verstärkten Einsatzes von Kunstdüngern eine zunehmende Eutrophierung der Landschaft beobachten. Dabei wurden aber immer wieder auch unrentabel gewordene Flächen aufgelassen und boten so Überlebensräume, besonders für einige Vogelarten. Dies gilt in noch stärkerem Maße für militärische Sperrzonen, wie die Halbinsel Wustrow, – und dies trotz wiederholter Störungen durch militärische Aktivitäten. Seit 1990 engagiert sich das BUND-Projekt „Das grüne Band am Ostseestrand“, eines der größten und erfolgreichsten Naturschutzprojekte Deutschlands für den Erhalt der Lebensräume auch im Bereich des Salzhaffs. Von „Amts wegen“ kümmert sich v.a. das Umweltamt, Ldkr. Bad Doberan um die Natur rund um das Salzhaff und ist daher erster Ansprechpartner der BUND-Ortsgruppe Salzhaff-Rerik zusammen mit den Staatlichen Ämtern für Umwelt und Natur (StAuN) in Rostock und Schwerin.

Der Lebensraum Salzhaff

Die Landschaft um das Salzhaff bietet eine ganze Vielfalt von Lebensräumen, darunter Steilufer, Flachwasserzonen, Sandhaken, Strandwälle, Salzwiesen, Wälder, Bachuferlandschaften. Das fragile ökologische Gleichgewicht wird beeinflußt durch den natürlichen Eintrag von teilweise sehr nährstoffreichem Süßwasser, v.a. durch den Hellbach, den Blengower Bach, den Kellergraben und Entwässerungssysteme aus den Bereichen Blengow/Roggow und Tessmannsdorf. Entsprechend der vielgesichtigen Landschaft ist auch die (noch) zu beobachtende Pflanzen- und Tierwelt sehr vielfältig. V.a. vor den Steilküsten befinden sich reiche Bestände an Muscheln und Schnecken. Die ausgedehnten Flachwasserzonen beherbergen eine reiche Unterwasservegetation, besonders im Bereich der Hellbachmündung finden sich Schilfgebiete und Salzwiesen, die Brut- und Rastplätze für eine ganze Reihe verschiedener Vogelarten bieten, darunter etliche Arten die auf der roten Liste stehen. Hier finden sich aber auch eine Reihe von seltenen Schmetterlingen, Amphibien und Reptilien. Im Hinterland sind insbesondere eine Vielzahl von Söllen mit einer (potentiell) reichen Flora und Fauna erwähnenswert.

    

 Bild Blindschleiche: Hans Peter Eckstein